ossingen

polit. gemeinde im kanton zürich, bez. andelfingen. umfasst das haufendorf ossingen und die weiler burghof, gisenhard, hausen und langenmoos, die höfe werdhof, ziegelhütte und dachsenhausen sowie schloss widen. 1230 de Ozzingin. im 15. Jh. 330 einwohner; 1682: 974; 1850 1'198; 1900: 930; 1950 805; 1990: 1'143; 2005: 1'300.

neolith. sumpfrandsiedlungen am hausersee, hallstattzeitl. gabhügel im speck und im hattlebuck, röm. funde im goldbuck (kalkbrennofen) und beim burghof (brandgrab), frühma. gräberfeld im goldbuck. ein kelnhof war im grund- und gerichtsherrl. verwaltungszentrum des klosters reichenau, danach reichenauer lehen der kyburger, nach deren aussterben 1264 der habsburger. 1377 als teil des ehemaligen habsburg. amts andelfingen an die hohenlandenberger verpfändet, kam ossingen 1434 mit diesem an zürich. religiöses zentrum war bis 1814 die kirche hausen, auch nachdem die st. gallus geweihte kapelle in ossingen 1651 zur kirche umgebaut und der Gottesdienst dahin verlegt worden waren. kollatur und zehnten gehörten bis ins 14. jh. dem jeweiligen grund- und gerichtsherrn, danach dem domstift konstanz, 1649 pfandweise der stadt winterthur, ab 1674 der stadt Zürich.

zur zeit der reformation hielten sich alter volksglaube und das wiedertäuferwesen in ossingen hartnäckiger, als es der zürcher obrigkeit lieb war. im 16. Jh. schloss sich die von der minderheit der vollbauern bestimmte dorfgemeinde ab. sie hielt zuzüger, aber auch die textile heimindustrie und im 19. Jh. die moderne industrie fern. getreidebau im dreizelgensystem dominierte die vorindustrielle landwirtschaft, ergänzt durch marktorientierte weinproduktion. ossingen war ab dem spätmittelalter marktflecken und säumerstation am alten handelsweg von der voralpinen ostschweiz nach schaffhausen; eine ziegel- und kalkbrennerei bestand bis ende des 19. jh. der anschluss an die bahnlinie winterthur-singen 1875 brachte kaum wachstumsimpulse. die güterzusammenlegung um 1935 und die aussiedlung ab 1947 verliehen der landwirtschaft ein neues gesicht. im gebiet der seen wurde in beiden weltkriegen industriell torf gewonnen. das jüngste, massvolle wachstum setzte innerhalb zurückhaltender planung erst ca. 1980 ein, als immer noch 30% der bevölkerung im landbau beschäftigt waren. ossingen entwickelte sich zur bevorzugten wohngemeinde von Pendlern nach winterthur und zürich mit umfassender infrastruktur und beispielhaft geschützter landschaft an hausersee und thur. die weitgehend erhalten gebliebene bäuerliche bausubstanz aus dem 17. bis 19. jh. wird in schonender weise für wohnzwecke und gewerbe umgenutzt.

 

hausen

im wesentlichen aus kirche, ehem. pfarrhaus, sigristenhaus und drei bauernhäusern bestehende siedlung der gemeinde ossingen. die urkundl. vergabung des patronats einer kirche hausen 1112 an das kloster allerheiligen betrifft vermutlich ein h. in süddeutschland. erste sichere urkundl. erwähnung 1274 husen. das st. georg geweihte gotteshaus stand im hochmittelalter dem kloster reichenau zu und gelangte 1360 über die habsburger an das domstift konstanz. auf diese zeit geht wohl der 1956 unter schutz der eidgenossenschaft gestellte kirchenbau zurück, der polygonalchor auf bauten von 1486-90. bei der renovation 1957-61 kamen teils im heutigen bau integrierte reste einer rom. kirche mit langhaus und chor, 1972 got. schichten unter dem pfarrhaus des 16. Jh. zum vorschein. bis 1651 diente die kirche als pfarrkirche, bis 1814 als sakrales zentrum der ganzen kirchgemeinde ossingen und bis 1951 als pfarrsitz.


 

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dr. otto sigg, ehm. staatsarchivar kanton zürich

gisenhard nach otto sigg, staatsarchivar kanton zürich
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